Paraguay Shuttleservice - Zufall oder Schicksal ?

Gibt es Zufälle ? Warum passieren uns Unglücke und was macht es für einen Sinn eine Entscheidung zu treffen, wenn ein Orakel die Antwort vorher kennt ? Erfahrt was Fynn mein Shuttleservice aus Paraguay darüber denkt!

4/19/20268 min read

Meine Reise neigte sich dem Ende zu. Es war so weit: Fynn, der nette junge Mann, der mich vor zwei Wochen zum Flughafen gefahren hatte, holte mich wieder vor dem Tor der Farm meines Cousins ab. Meine Traurigkeit über den Abschied war mir sichtlich anzusehen. Entsprechend vorsichtig fragte Fynn mich, wie es mir geht und wie mir mein Aufenthalt in Paraguay gefallen hat. Er fragte, was denn das Beste an meinem Aufenthalt war. Da war mir klar, dass ich mir Mühe geben musste, diese wundervollen Erfahrungen auf „das Beste“ zu komprimieren. Eine wundervolle Chance. Was war es nun tatsächlich, was diesen Aufenthalt von allen anderen Urlauben unterschied? Was war es, das diesen Aufenthalt nicht zu einem Urlaub gemacht hat, sondern zu einer persönlichen Reise, die mich veränderte? Da fiel mir eine Bemerkung aus einem Gespräch ein paar Stunden zuvor ein. „Du kannst überall auf der Welt reisen, an die schönsten Orte, aber du kannst nicht vor dir oder deinen Problemen weglaufen.“ Ich war nicht derjenige, der vor etwas weglief, vielmehr bewegte mich ein innerer Ruf zu dieser Reise, gegen alle Zweifel. Aber in dieser Aussage verbirgt sich doch Folgendes: Dem, was du begegnest, hat viel mit dem zu tun, was du mitbringst. Wie ist deine innere Einstellung, wie begegnest du den Menschen dort, gehst du offen, begeistert, freundlich auf deine Umwelt zu, wie strahlt dein Inneres nach außen? Mit welcher Reflexion darfst du entsprechend rechnen? Ich antwortete ihm, wenn ich es zusammenfassen müsste, ich sagen würde, dass es die Menschen dort waren, die meinen Aufenthalt so besonders gemacht haben. Diese Herzlichkeit, mit der ich empfangen wurde, dass ich fortlaufend das Gefühl hatte, als wäre mir niemand fremd. Als würde ich von jedem Menschen dort erwartet. Ich hatte das Gefühl, dass ich ein Gespräch, welches ich hier und dort beendete, im nächsten Moment mit der nächsten Person, die ich antraf, weiterführen würde. Ein fließender Übergang, wie in einem Skript, eine Geschichte, die einen Anfang und ein Ende hat. Ich habe mich überall zu Hause gefühlt. Die Menschen dort sprechen auch davon, dass die „Energie“ dort eine ganz andere ist. Das klingt erstmal leicht esoterisch. Das trifft es aber ganz gut. Energie, etwas, das in jedem Ort und in jedem Gespräch wie eine Essenz zu finden war. Alles hat sich richtig angefühlt. Fynn hat mir nur zustimmen können und hat sich gefreut, dass ich diese Erfahrung machen konnte. Ihm ging es sehr ähnlich, als er vor ein paar Jahren mit seiner Familie dorthin auswanderte. Mit mir könnte man schöne Deeptalk-Gespräche führen, sagte er. Er fände es schön, wenn er mehr Menschen begegnen würde, mit denen er solche Gespräche führen könnte. Da fragte ich ihn, ob er eine Idee hätte, woran das liegen könnte. Er war sich nicht sicher. Er sagte, es gäbe nicht viele Menschen, die bei Gesprächsthemen so in die Tiefe gehen würden.

Ich fand die Bemerkung interessant, denn ich sah eine Verbindung zu den Gedanken, die ich zuvor hatte. Dass dem, was wir begegnen, etwas vorausgehen kann, dass die Art, wie wir auf die Dinge zugehen, eine Wirkung hat. Da fragte ich ihn, ob er dazu einen Bezug herstellen kann. Er war sich unsicher und fragte nach, wie ich das meinen würde. Ich fragte ihn, ob er denn in Gesprächen auch Anstöße zu Themen mit Tiefe geben würde, ob er etwas Persönliches von sich, wie einen interessanten Gedanken, dazu bereitstellt, dass Deeptalk daraus entstehen kann. Er sagte, dass er nicht so der Typ ist, der auf die Leute offen zugeht. Das fand ich sehr interessant, denn ich habe ihn von der ersten Minute meines Aufenthalts beim Transfer meiner Anreise als sehr herzlich wahrgenommen. Schließlich sind wir mittlerweile an einer interessanten Stelle des Gesprächs angelangt, dank seiner freundlichen und offenen Nachfrage, wie ich denn meinen Aufenthalt empfand. Mit einem Lächeln im Gesicht begrüßte er mich damals vor zwei Wochen schon und verwickelte mich direkt in ein Gespräch, sodass ich das Gefühl hatte, mich würde jemand abholen, den ich schon Jahre kennen würde. Aber ja, ich erinnerte mich: Bei dem offenen Gespräch auf der Hinreise behauptete er schon von sich selbst, dass er diesen Job machen würde, weil ihm das guttun würde, mal aus seiner Komfortzone herauszukommen und mit Menschen in Kontakt zu treten. Aber wie passt das zusammen?

Ein Mensch, der offen und herzlich ist und ein sehr interessanter Gesprächspartner ist, aber sich davor scheut, interessante Gespräche zu führen und sich gleichzeitig danach sehnt. War ihm das Paradox bewusst? Es stellte sich heraus, dass er noch nicht wirklich darüber nachgedacht hat, dass seine Wünsche vielleicht nicht erfüllt werden, weil er sie nicht suggeriert. Es macht definitiv für ihn Sinn, dass, wenn man offen und herzlich einem Menschen begegnet, das die beste Voraussetzung dafür ist, dass man ebenso empfangen wird. Aber er hatte sich bisher nicht bewusst gemacht, dass die These für alles gelten kann. Ich erzählte ihm vom Gesetz der Resonanz, dem Gesetz der Anziehung, und je mehr ich dabei auf ein verallgemeinertes Konzept verwies, desto mehr Beispiele konnte er dazu aus seinen eigenen Erfahrungen als Referenz hinzuziehen und die Annahme bestätigen. Ihm wurde bewusster, dass er eine große Verantwortung für das hat, was ihm begegnet. Nur bedarf es der Tatsache, sich dem bewusst zu werden und eine Verbindung herzustellen. Es ist nötig, sich selbst bewusst zu werden und damit eine Verbindung zu dem herzustellen, dem man im Außen begegnet. Er verstand die Anstöße, die ich ihm gab, und erkannte die großen Chancen, die sich damit für ihn ergeben.

Schließlich war er ja auch jemand, der gerne seine Komfortzone verließ, weil er längst verstand, dass nur so Wachstum möglich ist. Also ein junger Mensch Anfang zwanzig mit einer Menge Potenzial. Nicht nur an seiner Einsicht erkannte ich sein Potenzial. Schließlich war er es doch auch, der mit gezielten Fragen den Deeptalk entsprechend befeuerte und sich quasi selbst damit die Chance gab, etwas über sich herauszufinden. Als ich nicht nur ihn, sondern unser Gespräch als Dualität betrachtete, wurde mir noch in dem Moment, wo wir uns unterhielten, bewusst, dass er unbewusst einen beachtlichen Teil dazu beigetragen hat, dass mein Interesse an seinem Paradox geweckt wurde. Ich fragte ihn, ob er an Zufall glauben würde, an Schicksal, Gott, Allah usw. Er sagte, er habe seine eigene Vorstellung einer höheren Macht, einer Art Energie, die uns alle miteinander verbindet. Aber er lehnt die Idee des Schicksals ab, da es seiner Meinung nach dazu führen würde, dass Menschen sich treiben lassen würden und sich ihrer eigenen Verantwortung beziehungsweise Macht nicht bewusst sind, etwas aus ihrem Leben zu machen. Diese Konstruktion konnte ich gut nachvollziehen, die Idee, dass es etwas Höheres gibt, aber dass wir mit unserem Dasein befähigt sind, etwas zu schaffen. Außerdem gefiel mir der moralische Aspekt, keinem Schicksal den Verlauf das eigene Lebens zu überlassen, sondern sich selbstbewusst zu werden, den Möglichkeiten, die wir als Menschen haben.

Und wieder waren wir an einem interessanten Thema angelangt. Was für ein schönes zufälliges Gespräch am anderen Ende der Welt. Er fragte mich, wie ich das sehen würde, welche Perspektive ich darauf habe. Also sagte ich ihm, dass ich nicht an Zufälle glaube oder besser, nicht an das, was man einem Zufall zuschreibt. Ich untermauerte diese These direkt mit der Betrachtung eines Kontraindikators dazu. Was ist mit all den Missständen, Unglücken im Leben, schmerzhaften Schicksalsschlägen, denen wir ausgesetzt sind, welchen Sinn, welche positive Absicht soll sich dahinter verbergen, womöglich noch von etwas Höherem gesteuert mit einer Absicht, die wir in solchen Momenten doch nur ablehnen können. Etwas, das uns zufällt, kann doch auch einen Sinn haben, deshalb sehe ich hinter dem Begriff des Zufalls erstmal nicht etwas Willkürliches. Es ist schlicht etwas das uns zu- fällt, vielleicht ja bestimmt. Außerdem habe ich tatsächlich jüngst in meinem Seminar, welches ich in Paraguay hielt, darauf verwiesen, welchen Wert Fehler, Missstände haben, wenn man sie „refraimt“, ein schöner moderner Begriff dafür, dass man etwas anderes, wie zum Beispiel in dem Begriff „Fehler“, sehen kann, beispielsweise etwas Positives. Der Begriff an sich hat doch tatsächlich keine negative Konnektivität.

An dieser Stelle entschuldigte sich Fynn, er wäre sehr gerne zu dem Seminar gekommen, aber seine Tätigkeit als Reiseguide verlangte ihm tatsächlich alles ab in den letzten Tagen und daher war er leider verhindert. Auf der Hinreise erzählte er mir, wie er gerne Fußball gespielt hatte, aber sein damaliger Trainer war so leistungsorientiert, dass er dabei die Schüler wenig motivierte und in seinem Antrieb eher erniedrigend wirkte, das führte dann dazu, dass Fynn den Spaß am Fußballsport verlor. Dadurch entdeckte er jedoch Rugby für sich und erkannte, dass seine Fähigkeit zu kurzen, schnellen Sprints dort mehr wertgeschätzt wurde und er war sich seiner sportlichen Leistung wieder ein Stück bewusster. Ich erinnerte Fynn an unser Gespräch von vor zwei Wochen und daran, dass er mir davon erzählte, ich nutzte die Situation als Paradebeispiel für Erfahrungen im Leben, die erst im späteren Verlauf ihre positive Sinnhaftigkeit bekommen.

Besser gesagt, wir erkennen selbst später dann aber einen positiven Sinn darin, die Situation bleibt ja die gleiche. Also wir ändern etwas an uns, unsere Perspektive, unsere Wahrnehmung dazu. Interessanterweise könnte man sogar behaupten, man könne die Vergangenheit verändern, nur deshalb, weil man seine Perspektive auf das, was geschehen ist, verändert. Anders ausgedrückt, in der Gegenwart verändere ich meine Perspektive zu etwas Vergangenem und dadurch bekommt das Geschehene einen anderen Sinn, also ist die Vergangenheit nicht mehr dieselbe, nachdem ich mich gegenwärtig verändert habe. Ich bin mir also bewusster geworden. Ich verweise an diesen Stellen immer gerne auf die Tatsache, welchen Einfluss unser Bewusstsein tatsächlich auf das Äußere, unsere Realität, hat. Aufgrund einer Vielzahl an Querverweisen empfinde ich das Thema Selbstbewusstsein so interessant. Diese These würde sogar eine Verbindung zur Quantenphysik schaffen, dort führten jüngste Forschungen zur selben Theorie, dass Vergangenheit nicht etwas festgeschriebenes ist oder sogar illusionär sein kann, da nicht wirklich ein Beweis für die Existenz besteht, von etwas, das wir als Vergangenheit bezeichnen.

Diese Behauptung und die Annahme, Zufälle könnten auch einem höheren Sinn folgen, fand Fynn sehr interessant. Deshalb erwähnte er nochmal, dass die These des Schicksals für ihn aber weniger Sinn machen würde, gerade deshalb würden wir den Dingen ja einen Sinn geben, weil wir unser Leben selbst bestimmen, meinte er. Ich bejahte seine Behauptung, aber bemerkte, dass es meiner Meinung nach eine interessante Verbindung zwischen Selbstbestimmung und Schicksal geben kann. Ich fragte ihn, ob er den Film „Matrix“ kennen würde. Er erinnerte sich vage, aber sein Lächeln deutete an, dass er gespannt war, welcher Ansatz nun folgen würde. Ich erzählte ihm von folgender Szene:

Als Neo das Orakel besuchte, da bot das Orakel Neo Kekse an und Neo zögerte einen Moment, als er die Frage beantworten wollte, ob er einen Keks haben will oder nicht. Er fragte das Orakel, welchen Sinn es machen würde, dass es ihm diese Frage stellen würde, schließlich sei es das Orakel und wüsste, was als Nächstes geschehen würde, also was er ihr antworten würde. Da sagte das Orakel zu Neo, es spielt keine Rolle, ob sie wüsste, was geschehen wird, es geht darum, dass Neo dort ist, um herauszufinden, was er als nächstes tun würde. Das ist deep!, meinte Fynn. Und ja, ich finde, das ist eine schöne Szene, die man auf sich wirken lassen kann.

Fynn und ich unterhielten uns noch eine Weile über die drei Stunden Fahrt zum Flughafen und am Ende einigten wir uns darauf, dass Fynn eine Coaching-Ausbildung bei mir machen möchte und wir uns bald für einen Podcast treffen würden. Ich freue mich jedenfalls sehr, einen so interessanten jungen Mann kennengelernt zu haben und umso mehr, ihn bald wiederzusehen.

Und was löst die Geschichte von Neo bei dir aus, bei deinen Gedanken zum Schicksal, Gott, Zufälle, zu deiner Einstellung zum Sinn des Lebens? Schreib mir doch gerne per Mail, lass mich und andere daran teilhaben und ich veröffentliche vielleicht auch deinen Leserbrief und wir inspirieren gemeinsam andere und lassen uns inspirieren. Denn wie Fynn so schön sagte, es steckt ein großer Mehrwert darin, tollen Menschen zu begegnen.

Paraguay Shuttleservice und das Orakel...